15 Tipps, die helfen, um deine Kinder weniger anzuschreien

Es hallt noch in meinen Ohren. Es sind weniger die Worte die mich erschrocken haben. Eher die Lautstärke und die Art und Weise. Genervt von allem um mich herum, habe ich es wieder geschafft, meine Liebsten anzuschreien, weil sie ein Verbot überhört hatten, welches ich ihnen kurz zuvor gegeben hatte.

Statt ihnen liebevoll zu erklären, worum es mir geht und sie noch einmal daran zu erinnern, habe ich meine Emotionen an meinen Kindern ausgelassen. Emotionen die dadurch entstanden sind, dass ich gestresst und nicht ausgeglichen war.

Ich will es nicht schlecht reden. Manchmal sind wir Erwachsenen einfach sauer oder werden mal lauter. Das ist menschlich, und diese Fehlbarkeit dürfen meine Kinder auch an mir kennen lernen. Aber ich möchte meine Schützlinge nicht anschreien. Meine Kinder sollen in liebevoller Weise groß gezogen werden. Ich möchte mit Ihnen die Welt entdecken und sie ihnen erklären. Manchmal müssen sie dabei auch ihre eigenen Fehler machen.

Im folgenden zähle ich Gründe auf, warum ich meine Kinder nicht anbrüllen möchte.

Zusätzlich möchte ich Wege aufzeigen, um zu üben, weniger schnell zu schimpfen und zu brüllen. Vielleicht kannst ja auch du und dein Kind davon profitieren.

Brüllen

Darum möchte ich meine Kinder nicht anschreien:

  • Kinder sind wertvoll – Sie sind nicht weniger Wert als wir Erwachsenen! Dieses Denken ist leider schon viel zu lange in unseren Köpfen verankert.
  • Kinder sind es wert geschützt zu werden.
  • Kinder besitzen sehr viel weniger Lebenserfahrung als wir Erwachsenen und das kindliche Gehirn begreift noch nicht so, wie ich es oft möchte.
  • Jemanden anzuschreien demütigt ihn.
  • Meine Mitmenschen schreie ich auch nicht an. Warum? Aus den selben Gründen, warum ich auch meine Kinder nicht anschreien möchte.
  • Wenn ich mein Kind anschreie, verletze ich sein Selbstwertgefühl.
  • Ich möchte meinem Kind nicht vermitteln, dass es wertlos, untauglich und unbrauchbar ist.
  • Ich möchte mein Kind ermutigen, nicht demotivieren.
  • Schreien verursacht eine Spirale; einmal laut geworden, neigt man immer wieder dazu.
  • Nicht nur ich werde öfter laut, wenn ich einmal angefangen habe; auch die Kinder werden dann lauter.
  • Ich selbst möchte auch nicht angeschrien werden. Wenn ich meinen Kids beibringen möchte, dass sie so mit anderen umgehen sollen, wie sie es auch möchten, dass man mit ihnen umgeht, kann ich sie nicht anbrüllen.
  • Eine große amerikanische Studie der University of Pittsburgh hat herausgefunden, dass Anschreien im Prinzip genauso schlimm ist wie Schlagen. Kinder die regelmäßig im Elternhaus angeschrien werden, sind häufig psychisch auffällig und haben Probleme in der Schule. Die emotionalen Schäden haben Folgen auf spätere Partnerschaften, Beziehungen und Vertrauen zu fassen.

Erziehung

Als unsere Nele noch nicht ganz zwei war, habe ich mich oft in dieser Schreispirale befunden. Wir haben sehr abgelegen gewohnt, hatten keine Freunde mit Kindern um uns und auch keine Familie. Dementsprechend war unsere älteste Tochter damals noch als Einzelkind auch wenig ausgelastet. Nele war sehr aufgeweckt und wollte die Welt entdecken. Auf Tische klettern, alles öffnen, anschauen und ausräumen, über die Straße rennen etc. Ich habe mich so oft so schlecht gefühlt, wenn ich sie deswegen wieder angeschrien habe. Dass es nicht richtig ist, dessen war ich mir bewusst. Ich wusste aber auch nicht, wie ich aus dieser Spirale wieder herauskommen sollte. Ich fühlte mich wie die schlechteste Mutter der Welt, ich hatte absolut versagt. Was tue ich meinem Kind bloß an? Diese Gefühle plagten mich jedesmal danach.

Ich habe mich so oft so schlecht gefühlt, wenn ich sie deswegen wieder angeschrien habe. Dass es nicht richtig ist, dessen war ich mir bewusst. Ich wusste aber auch nicht, wie ich aus dieser Spirale wieder herauskommen sollte. Ich fühlte mich wie die schlechteste Mutter der Welt, ich hatte absolut versagt. Was tue ich meinem Kind bloß an?

Diese Gefühle plagten mich jedesmal danach.

Was kann nun helfen, mein Kind weniger anzuschreien?

15 Tipps um weniger zu brüllen

  • Werde dir darüber bewusst, dass das Brüllen immer einen Kontrollverlust deinerseits bedeutet (das gilt übrigens auch fürs Schlagen).
  • Anschreien macht nie etwas besser, verankere dies in deinem Kopf.
  • Frage dich, ob es dir recht ist, wenn die Kinder in dem gleichen Ton antworten, wie du mit ihnen sprichst.
  • Wenn du kurz davor bist zu brüllen, fragen dich, ob du auch mit deinen Sprösslingen reden würdest, wenn dein Chef, Jesus oder eine andere wichtige Person daneben stehen würden.
  • Versetze dich in die Situation deines Kindes. Vielleicht hilft dir auch eine Übung mit deinem Partner. Einer Kniet sich hin, der andere stellt sich mit drohendem Finger vor die kniende Person und schimpft auf sie ein. Wie fühlt sich das an? Versuche die Gefühle deines Kindes nachzuvollziehen. Was bewirkt das schreien? Was für Gefühle löst es in dir und deinem Kind aus?
  • Für Kinder ist es bedrohlich, von oben herab angeschrien zu werden. Meist fangen sie an zu weinen, weil wir ihnen vorkommen wie ein gefährliches Monster.  Möchte ich so aussehen?
  • Mache dir bewusst, in welchen Situationen du am meisten dazu neigst, zu brüllen.
  • Such dir etwas, woran du deine Wut loswerden kannst. Am besten brüllst du in ein Kissen. Das darf dein Kind ruhig sehen, so lernt es an dir, wie man mit Wut umgehen kann.
  • Wir haben weniger Geduld  mit unseren Kindern, wenn wir gestresst sind. Sei dir dessen bewusst, dass dein Kleines für deinen Alltagsstress nichts kann. Versuche dir Auszeiten zu schaffen, in denen du auftanken kannst. Wenn du merkst, du hast keine Nerven mehr, breche aus deinem Alltag aus und tue dir etwas Gutes. Und wenn dafür mal das Tablet dient um dein Kind für einen kurzen Zeitraum zu beschäftigen, weil du keine andere Möglichkeit hast, fühl dich nicht schlecht dabei.
  • Frage dich, woher dein großer Alltagsstress kommt und wie du deinen Alltag entschleunigen kannst. Solltest du auf der Arbeit vielleicht Stunden reduzieren? Es ist auch keine Schande, sich eine Haushaltshilfe zu gönnen, oder dafür zu sorgen, dass der Haushalt einfacher läuft. Hier können z.B. Saugroboter und eine optimierte Haushaltsplanung eine große Hilfe sein. Oder vielleicht auch eine größere Waschmaschine, die dafür sorgt, dass du weniger Maschinen waschen musst (Mein nächstes Projekt 😉 ). Es kann sein, dass du deinen kompletten Alltag neu überdenken und sortieren musst, um wieder auf einen grünen Zweig zu kommen.
  • Suche die Schuld nicht bei deinen Kindern. Sie leben oft in ihrer eigenen Welt, in die wir uns gar nicht mehr hineinversetzen können. Im Spiel sieht die Welt für sie so viel anders aus. Stöcke werden zu Schwertern, Steine zu Munition um schreckliche Feinde abzuwehren und Gras wird zur Sandkuchenverzierung um den leckersten Browniesandkuchen aller Zeiten zu backen. . Ihr kindliches Denken ist so viel anders und mit ihrem Handeln haben sie nicht die Absicht, uns etwas böses zu tun. Oftmals urteilen wir viel zu voreilig und bringen uns selbst in beschämende Situationen, wenn wir merken, dass wir gebrüllt haben, das Kind mit seinem Handeln aber eine gute Absicht hatte.
  • Versuche Alltagspflichten spielerischer zu lösen. Wenn wir schon angespannt ans Zähneputzen gehen, übertragen wir dies auf die Kinder. Zusammen mit den Kindern Spaß zu haben, vergessen wir viel zu schnell, weil wir uns täglich um so viele Verpflichtungen kümmern müssen. Singt doch beim nächsten Zähneputzen mal zusammen ein Zahnputzlied, vielleicht klappt es dann schon viel besser.
  • Trotz gehört zu vielen Lebensphasen des Kindes dazu. Dies hat nichts mit bösem Willen oder Machtspielen zu tun. Die Kinder wollen die Eltern nicht ärgern, es handelt sich hierbei um eine natürliche Entwicklung die nötig für die Charakterbildung ist. Dies solltest du wissen um sie weniger anzubrüllen.
  • Kinder brauchen Eltern die sie wertschätzen und anleiten um Fertigkeiten zu erlernen, Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl zu entwickeln. Unterstütze dein Kind dabei, die Welt zu entdecken und gebe ihm Zeit, Dinge zu erlernen. Häufig braucht es viele Wiederholungen, bis ein Kind etwas Neues verinnerlicht hat. Dies ist ganz normal.
  • Weniger Verbote sorgen für weniger Reibungspotential. Hinterfrage, welche Verbote wirklich sinnvoll sind und welche nicht unbedingt sein müssen. Eine Ja-Umgebung statt einer Nein-Umgebung erleichtert nicht nur den Alltag

Weniger brüllen

Wie soll ich reagieren, wenn ich mein Kind angeschrien habe?

Wenn es doch passiert, dass ich mein Kind angeschrien habe, ist es für mich wichtig ihm zu sagen, dass dies nicht richtig von mir war. Ich entschuldige mich bei meinen Kindern und sage ihnen, dass sie es Wert sind, nicht angeschrien zu werden. Dass die Gefühle manchmal mit mir durchgehen, wissen sie schon. Wichtig ist mir aber der Umgang danach damit. Dass Eltern nicht perfekt sind, wissen meine Kinder zum Glück. Und ich bin so wahnsinnig froh, dass Kinder so ein großes Maß an Vergebungsbereitschaft besitzen. Und auch hiervon kann ich so viel lernen!

Wie geht es dir mit diesem Thema? Ich würde mich freuen, wenn wir uns darüber in den Kommentaren austauschen könnten. Was hilft dir am besten um zu vermeiden, die Kids anzubrüllen?

 

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